Biografie

Sven Gatter ist 1978 in Halle (Saale) geboren und in der ostdeutschen Industriestadt Bitterfeld
aufgewachsen. Von 1999–2006 absolvierte er ein Studium der Angewandten Sozialwissenschaften in Erfurt, das er mit einer Diplomarbeit zum Thema “Fotografische Bilder als Quellen der empirischen Sozialforschung” abschloss. Von 2004–2005 besuchte er die Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und von 2010–2011 die Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin.

In seiner künstlerischen Arbeit setzt er sich vor allem mit dem postkommunistischen Wandel
Ostdeutschlands auseinander. Für seine Foto-Text-Arbeiten „Gottes Aue“, „Luft Schiffe“, „Hütten“, „Bernsteine“ und „Findling“, in der er eigene Bilder und Texte mit gefundenem Archivmaterial kombiniert und so zu ganz subjektiven Narration verdichtet, wurde er im Jahr 2016 mit dem Lotto Brandenburg Kunstpreis ausgezeichnet.

Im Jahr 2018 erhielt Sven Gatter durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg ein Aufenthaltsstipendium für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Dort, im ländlichen Raum, begann er, sich leerstehenden, teils völlig verfallenen Gehöften zu widmen. Seither entsteht eine Serie von Schwarzweißfotografien, die die Reste dieser Architekturen und das in ihnen zurückgelassene Inventar zeigt. Seinen Bildgegenstand macht er dabei nur fragmentarisch sichtbar, wodurch eine konkrete Verortung der vor der Kamera befindlichen Objekte unmöglich wird. Dafür treten ihre Erscheinungsformen und Ordnungen in den Vordergrund. Dass er diese Ordnungen nicht einfach vorfindet, sondern im Prozess des Fotografierens sowie durch die installative Präsentation der Bilder selbst konstruiert, offenbart sich vielleicht erst nach längerer Betrachtung. Die dabei entstehenden Momente der Irritation aber sind ihm willkommen. Durch sie werden genau die Suchbewegungen im Prozess der Werkrezeption erlebbar, die er zuvor als Künstler mit der Kamera vollzogen hat.

Inzwischen reiht er in seine Gehöft-Serie auch Studiofotografien und skulpturale Arbeiten ein, in
denen er die im Landschaftsraum vorgefundenen architektonischen Fragmente assoziativ
nachinszeniert. In einer Zeit, in der sich weder der Anspruch auf „Wahrheit“, noch der auf
„Authentizität“ innerhalb des Mediums Fotografie ernsthaft aufrechterhalten lassen, rückt er so die Erkenntnismöglichkeiten in den Blick, die sich jenseits realitätsgetreuer Abbildungsideale bieten. Überraschend ist dabei vielleicht, dass sich die in den Ruinen fotografierten und die im Studio arrangierten Werke so gut ergänzen. Das mag daran liegen, dass sie gleichermaßen artifiziell wirken. Vor allem aber verbindet sie wohl das Unfertige, auf das die im Niedergang befindlichen Ruinenfragmente ebenso verweisen, wie die als Symbol des Neuanfangs zu verstehenden Modelle.

Neben seinen freien, künstlerischen Projekten arbeitet Sven Gatter als Auftragsfotograf für Verlage, Zeitschriften, Verbände und Unternehmen. Seit 2019 gehört er zudem zum Team der AFF Galerie, Berlin. Darüber hinaus engagiert er sich im Verein Perspektive hoch 3 für Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsformate, mit denen das Erwachsenwerden unter den besonderen historischen Bedingungen des Zusammenbruchs der DDR und der sich anschließenden deutschen Wiedervereinigung erforscht werden.

Gatter lebt und arbeitet in Berlin und Brandenburg.

Auszeichnungen
2020 Gewinner der Theodor Heuss Medaille, gemeinsam mit Perspektive hoch 3 e. V.
2018 Stipendium für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf durch das Brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur
2016 Gewinner des Lotto Brandenburg Kunstpreises (Fotografie)
Ausstellungen
2020
Gruppenausstellung “Simultan: Positionen im Raum” in der AFF Galerie, Berlin
2019
Gruppenausstellung „Brandenburgischer Kunstpreis 2019“ im Schloss Neuhardenberg
2019
Gruppenausstellung der Wiepersdorf-Stipendiat*innen „Landpartie“ im Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Potsdam
2018 Gruppenausstellung “Brandenburgischer Kunstpreis 2018” im Schloss Neuhardenberg
2017 Gruppenausstellung „Blick Verschiebung“ im ZKR – Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum Schloss Biesdorf, Berlin
2017 Einzelausstellung „Sven Gatter. Blütezeiten (Fotografien und Texte)“ im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus
2016 Kabinettausstellung „Sven Gatter. Luft Schiffe“ in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt, Berlin
2016 Ausstellung der Preisträger des Lotto Brandenburg Kunstpreises im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Potsdam
2016 Gruppenausstellung „Der dritte Blick“ in der Stadtgalerie Kiel
2015 Gruppenausstellung „Perspektiven auf die Deutsche Einheit“ in der Gedenkstätte Lindenstraße, Potsdam
2015 Gruppenausstellung „Der dritte Blick“ im Willy-Brandt-Haus, Berlin
2015 Einzelausstellung „Goitzsche, Fotografien 2010–2015“ im Industrie- und Filmmuseum Bitterfeld-Wolfen
2012 Text-Bild-Projektion „Dritte Generation Ostdeutschland“ im Collegium Hungaricum, Berlin
2011 Gruppenausstellung „Opus Fotografie Preis“ in der Galerie der Hochschule der bildenden Künste, Saarbrücken
2010 Einzelausstellung „Gewöhnliche Leute, Fotografien“ in der Galerie Alles Mögliche, Berlin