Bernsteine

2015–2016,
analoger C-Print, SW-FineArt Print,
Text und Archivmaterial, Größe variabel

Rund zwanzig Jahre lang existierte in einem der alten Tagebaue eine geheime Förderanlage, in der bis zu neunundvierzig Tonnen Bernstein pro Jahr abgebaut wurden. Das Rohmaterial transportierte man größtenteils nach Ribnitz-Damgarten, wo es Spezialisten bearbeiteten und als Ostsee-Bernstein weiterverkauften.

Ein Teil des wertvollen Gesteins allerdings fand seinen Weg zu einem Schuhmacher, der eine eigene Werkstatt am Stadtrand von B. betrieb. „Obwohl die Bergleute alle Genossen waren, haben sie geklaut wie die Raben.“, erklärte er mir schmunzelnd. „Und einige kamen dann zu mir, um sich die vorgeblichen Fundstücke veredeln zu lassen.“ Die Schleifmaschinen, mit denen er normalerweise Schuhleder polierte, leisteten bei der Bernsteinveredelung offenbar hervorragende Dienste. „Sogar den Klunkern, die der VP-Helfer für seine heimlichen Damen abgriff, habe ich den letzten Schliff verpasst“, so der Mann. Gänzlich umsonst hätte er die Maschinen und seine Dienste natürlich nicht zur Verfügung stellen können. Und so hütet er bis heute eine ganz beachtliche Sammlung fossiler Schmucksteine.