Titel: straucheln und lichten
Autorin: Judith Zander
Sprecherin: Judith Zander
Sounds: Matthias Klütz
Länge: 25:24 Min

mehr erfahren

Die Reihe straucheln und lichten entstand als Kollaboration zwischen der Schriftstellerin Judith Zander und dem Künstler Sven Gatter. Begonnen haben sie die Zusammenarbeit im Jahr 2023 während eines gemeinsamen Aufenthaltes im Schwenower Forst, der ihnen im Rahmen des erstmals vergebenen „Abseits“-Stipendiums ermöglicht wurde. Dort, zwischen Beeskow und Storkow im Osten Brandenburgs, lebten sie fast drei Monate lang im einstigen Wohnhaus des Schriftstellers Günter de Bruyn (1926–2020) und entwickelten eine Arbeitspraxis zwischen Waldeinsamkeit, Erkundung der Naturräume und künstlerischer Reflexion.Bis 2026 arbeiteten Gatter und Zander immer wieder an einer Reihe von Fotografien und Texten, in denen sie sich mit der Kraut- und Strauchschicht des Waldes in der unmittelbaren Umgebung des Schriftstellerhauses befassten – mit jener Vegetationsschicht also, in der sich die Verjüngung des Baumbestands vollzieht. Damit nahmen sie auch Bezug auf einen Waldumbau unter ökologisch-forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten, der im staatlichen Auftrag der DDR bereits seit den 1950er Jahren im Schwenower Forst erprobt wurde. Was damals nach dem historischen Vorbild des Arztes und privaten Waldbesitzers August Bier im großen Maßstab begonnen wurde, ist bis heute der Versuch, den problematischen Auswirkungen reiner Kiefernbestände entgegenzuwirken.In seinen Fotografien erschließt Sven Gatter den Waldunterbau als visuell-poetisches Terrain. Er zeigt überwiegend enge Ausschnitte von Gehölzkonstellationen, die an beiläufig gesehene Stillleben erinnern und eine widersprüchliche, melancholische Schönheit entfalten. Judith Zanders Texte, die am ehesten als lyrische Kurzprosa bezeichnet werden können, erweitern diese Pflanzenerkundungen mit überraschenden etymologischen Exkursionen, kulturhistorischen Verweisen und menschlichen Analogien. Zudem spürt die Schriftstellerin mit großer Neugier den Verschiebungen nach, die sich zwischen Dingen, Erinnerungen und Wahrnehmungen ereignen.

In Ausstellungen verknüpfen Gatter und Zander die Fotografien und Texte der Reihe straucheln und lichten durch verschiedene installative Elemente und erweitern sie so in den räumlichen Präsentationskontext.

Judith Zander wurde 1980 in Anklam geboren und lebt heute in Greifswald. In ihrer Arbeit als Schriftstellerin spürt sie immer wieder den Verschiebungen nach, die sich zwischen Dingen, Erinnerungen und Wahrnehmungen ereignen. Dabei sind insbesondere ihre lyrischen Texte von hoher sprachlicher Innovationskraft und formaler Radikalität. Zanders Schaffen wurde u. a. mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb (2010), dem Uwe Johnson-Förderpreis (2010), dem Fontane-Literaturpreis (2020) sowie dem Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik (2023) geehrt.
Sven Gatter wurde 1978 in Halle (Saale) geboren und lebt heute in Hannover und Berlin. In seiner künstlerischen Arbeit setzt er sich vor allem mit Strukturwandelregionen auseinander. Dafür nutzt er das Medium Fotografie, das bei ihm auch Ausgangpunkt für Videoarbeiten und installative Werke sein kann. Gatters Arbeit wurde u. a. mit dem Kunstpreis Fotografie der Land Brandenburg Lotto GmbH (2016) und im Rahmen des Brandenburgischen Kunstpreises mit dem Fotografiepreis der Ostdeutschen Sparkassenstiftung (2024) gewürdigt.